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Eine andere Welt mitten in Stuttgart – das Bohnenviertel

12
Sep

Wie vielen anderen Leuten aus der Stuttgarter Umgebung  war mir das sagenumwobene Bohnenviertel immer ein Begriff – doch wie die meisten war ich noch nie da. Die Beschreibungen, die man so mitbekam, reichten von Szeneviertel mit coolen Indie-Läden, über grüne Stadtoase bis hin zu historischem Wohnviertel. Was davon nun eigentlich stimmt konnte ich seither nicht beantworten…Bis jetzt! Denn letzte Woche machte ich mich auf um der Legende Bohnenviertel auf den Grund zu gehen, und eines vorweg: Ich wurde nicht enttäuscht! 😉

Hauptstätter Straße in Stuttgart

Stuttgart ist nicht vielseitig? Von wegen! Wo hier noch der Trubel einer Großstadt herrscht…

Typische Straße im Bohnenviertel

…können ein paar Meter entfernt schon Kinder sorglos auf der Straße spielen. Bohnenviertel sei Dank!

Um einen möglichsten guten Einblick in das Quartier mitten im Herzen von Stuttgart zu bekommen nahm ich an einer Stadtführung durchs Bohnenviertel teil. Hier wurde einem nicht nur berichtet warum das Bohnenviertel eben so heißt wie es heißt (es liegt tatsächlich an der Bohnenpflanze, welche im Mittelalter das Hauptnahrungsmittel der ansässigen Menschen war), sondern auch Insiderinfos in Sachen Lokalitäten gegeben.

An dieser Stelle kann ich jedem „Vierteles“-Liebhaber oder sonstigem Feinschmecker einen kulinarischen Ausflug in das Viertel nur empfehlen!🍴

Weinstube „Zur Kiste“

Seit 1843 kommen Weinliebhaber in der Weinstube „Zur Kiste“ auf ihre Kosten – ein absoluter Pflichtbesuch im Bohnenviertel!

Doch es waren nicht nur die versteckten Restaurants oder die kleinen Geschäfte die mich in den Bann des Viertels zogen. Vielmehr war es das Viertel an sich! Was ich damit meine? Sobald man es betritt, befindet man sich gefühlt nicht mehr in der Stuttgarter Innenstadt (obwohl die Königsstraße nur wenige Gehminuten entfernt ist).  Man ist mehr in eine eigene kleine Welt eingetaucht als in ein bloßes Viertel, und das alles mitten im Zentrum einer Großstadt. Absolut verrückt!  Aber wie kann das sein?

Straßenbegrünung im Bohnenviertel

Wie sich die Bohnen vor hunderten Jahren an den Häusern entlang rankten lässt sich auch heute noch erahnen.

Meine Eindrücke sind historisch bedingt und tatsächlich auch gewollt. Keine Sorge, jetzt kommt kein Referat über die Geschichte Stuttgarts, nur so viel: In den Siebziger Jahren wurde das Bohnenviertel grundlegend umgestaltet. Es sollte grün und verkehrsberuhigt werden, ein Wohnort für viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sein und dabei den Charme einer Altstadt behalten. 😀

Das Ergebnis spricht für sich und ist der Grund für meine Begeisterung: Es grünt überall, sei es auf den Straßen, an den Häuserwänden oder in den Innenhöfen, überall! Außerdem wird man nicht von Autos oder Lärm genervt, viel mehr lädt das Kopfsteinpflaster zum gechillten Flanieren ein. Mein persönliches Highlight: Die Innenhöfe! Die Innenhöfe? Ja, die Innenhöfe! Fast jeder Häuserblock hat so einen in der Mitte und er dient den Bewohnern als Entspannungsoase mitten in der City. Die meisten Innenhöfe sind liebevoll hergerichtet und mit vielen Pflanzen ausgestattet. Einfach Traumhaft!

Innenhof im Bohnenviertel

Für Stille und gute Luft muss man nicht gleich in den Wald fahren…so geht modernes Wohnen!

Was ich auch besonders cool finde ist, dass das Viertel die eigene Vergangenheit als Armen- und Handwerkergegend nicht leugnet und es auch gar nicht erst versucht. So sind bis heute knapp 75% der Wohnungen Sozialunterkünfte, die es auch Menschen mit geringem Einkommen ermöglichen sollen direkt in der Stadt zu wohnen, finde ich gut! 👍

Auch kann man hier und da noch erkennen, dass die Geschichte des Bohnenviertels bis ins Mittelalter zurückreicht. So können sozusagen im Vorbeigehen uralte Fachwerkhäuser, Kunstwerke (z.B. wunderschöne Fassadenverzierungen!)  oder sogar noch Teile der alten Stadtmauer bestaunt werden.

historisches Gebäude

historische Häuserfassade

Einfach stehen bleiben und den Anblick genießen, das passiert im Bohnenviertel öfter.

Dass das Bohnenviertel aber auch ganz anders als entspannt und ruhig kann, lassen die zahlreichen Bars und Kneipen am Rande des Viertels  an diesem Mittag nur erahnen. Laut und lässig soll es auch jährlich im Juli auf dem Bohnenviertelfest zugehen, da muss ich unbedingt mal hin! 😛

Etwas überrascht war ich bei unserem Rundgang an der Stelle, als wir durch die schöne Gegend schlenderten und uns plötzlich mitten im Rotlichtbezirk wiederfanden. Was?! „Keine Sorge, hier beginnt das Leonhardsviertel. Das ist nicht mehr das Bohnenviertel!“, war die besänftigende Erklärung des Guides. Na ein glück, da kam ja schon fast mein Bild vom Bohnenviertel ins Wanken (Aber auch nur fast!) Die Grenzen zwischen Entspannung, Party und verruchter Gegend sind hier eben fließend… 😉

Rotlichtviertel

Das Rotlichtviertel als Grenze zwische Bohnen- und Leonhardsviertel…einfach verrückt!!

Nach knapp 1,5 Stunden war die Führung dann auch schon zu Ende. Eine wirklich sehr informative, und doch kurzweilige Tour, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann!

Was bleibt mir zum Abschluss noch zu sagen? Man kann dieses Bohnenviertel einfach nur lieben! Jetzt weiß ich endlich, dass an der Legende um dieses Viertel nicht nur etwas dran ist, sondern dass es wirklich so großartig ist wie mir berichtet wurde! Die Kombination aus der vielen Begrünung, der ruhigen und entspannten Atmosphäre und den schönen „Gässle“ machen das Bohnenviertel zu einem absoluten Highlight in der Innenstadt von Stuttgart. Und für einen Wein (oder auch einen Drink) nach dem Bummeln ist auch gesorgt.

Jeder sollte zumindest mal einen kurzen Abstecher hier her machen um zu erleben, wie man innerhalb von nur wenigen Metern eine Großstadt verlassen und in eine andere Welt eintauchen kann. Das war sicher nicht mein letzter Besuch des Bohnenviertels! 😀

 



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